#44 Stummes Erbe – Queerfeministische Bestandspflege tabuisierter Räume

Wer oder was bleibt in der Architektur und Planung stumm oder wird verstummt? Wer oder was ist in der Architektur und Planung laut? Wer kann was erben und besitzen und wer wird davon ausgeschlossen?

Diese Folge widmet sich queerfeministischen Perspektiven auf den gebauten Bestand und reflektiert den klassischerweise männlich-dominierten Kanon der Architektur. Es geht um Herausforderungen und Assoziationen, die mit einer Vielstimmigkeit einhergehen und die Gäste stellen sich Fragen nach der Bedeutung von Erben und Besitzen und wer von diesen Mechanismen ausgeschlossen wird.

Ausgangspunkt der Folge ist die Publikation Unvoiced Heritage. Queerfeminist Care for Tabooed Spaces., die open access auf der Website der TU Wien Academic Press verfügbar ist.

Seit Februar 2023 ist Sophie Stackmann Universitätsassistentin am Lehrstuhl für Denkmalpflege und Bauen im Bestand an der TU Wien. Zuvor war sie im Fachbereich Denkmalpflege wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Von 2019 bis 2021 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt Architektur- und Planungskollektive der DDR: Institutionelle Strukturen und kreative Prozesse in der sozialistischen Architekturproduktion. Ihre Promotion zum Konzept der Integrität und dessen Bedeutungen für Diskurse in den Denkmalwissenschaften schloss sie 2022 ab (gefördert durch ein Promotionsstipendium der Johannes-Rau-Gesellschaft). Sie studierte Kunstgeschichte und Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Julia Nuler verknüpft in ihrer Praxis als Architektin, Forscherin und Lehrende Fragen zu Raum mit feministische Zugängen. Ihr Architekturstudium absolvierte sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie in Kopenhagen. Sie war Mitbegründerin der beiden frauengeführten Architekturbüros miss_vdr architektur sowie Häfele Nuler Architektinnen. Außerdem war sie für mehrere Jahre am Forschungsbereich für Raumgestaltung und Entwerfen als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Im queer-feministischen Kollektiv Claiming*Spaces wirkte sie an der Konferenz „Whose History?“ (Az W, 2022) mit. Derzeit schreibt sie ihre Dissertation über Halina Skibniewska und deren Verhältnis zu Normen.

Elke Krasny ist Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Dr. Krasny forscht, veröffentlicht und hält international Vorträge zu Fragen von Care in Architektur und Urbanismus sowie in zeitgenössischen kuratorischen und künstlerischeen Praxen. Ihre Ausstellung Hands-On Urbanism wurde bei Architekturbiennale in Venedig 2012 gezeigt. In Anerkennung ihrer Beiträge zur feministischen Forschung wurde sie 2023 mit dem Gabriele Possanner Staatspreis ausgezeichnet. Mit Angelika Fitz gab sie Critical Care. Architecture and Urbanism for a Broken Planet (MIT Press, 2019) heraus, mit Lara Perry Curating with Care (Routledge 2023), mit Sophie Lingg und Claudia Lomoschitz Feminist Infrastructural Critique  (FKW Journal, 2024) sowie Abundance not Capital. The Lively Architecture of Anupama Kundoo mit Angelika Fitz (MIT Press, 2025).

Christian Haid ist Soziologe, Architekt, Stadtforscher, Kurator und Lehrender. Er forscht im DFG-Sonderforschungsbereich 1265 »Re-Figuration von Räumen« an der Technischen Universität Berlin und ist Mitgründer von POLIGONAL, einer in Berlin ansässigen Praxis an der Schnittstelle von kritischer Stadtforschung, kultureller Produktion und räumlicher Gestaltung. Seine Forschung und kuratorische Arbeit konzentrieren sich auf queere Raumpraktiken, urbane Ökologien sowie die Übersetzung raum- und sozialtheoretischer Ansätze in Gestaltung und Planung. Er entwickelt und erprobt interdisziplinäre Methoden, die Storytelling, Oral History, Sound, Mapping und spekulative Praktiken miteinander verbinden, um dominante Raumvorstellungen zu hinterfragen und neue Perspektiven auf inklusive, relationale und transformative räumliche Praxis zu eröffnen. Er hat umfassend zu informellen Urbanismen, Storytelling als räumlicher Praxis sowie queeren Raumpraktiken publiziert. In Projekten wie Constellations untersucht er, wie marginalisierte Raumgeschichten als Gestaltungswissen aktiviert und für die Entwicklung kollektiver Zukünfte jenseits normativer Raumordnungen nutzbar gemacht werden können.

Referenzen und Empfehlungen:

Caroline Criado-Perez 2020: Unsichtbare Frauen. Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert. 

Henrike Kohpeiß 2025: Bourgeois Coldness.

Larry Mitchell, Ned Asta 1977: The Faggots & Their Friends Between Revolutions. 

Pipilotti Rist 1995: I Am a Victim of This Song. YouTube 

Stummes Erbe – Queerfeministische Bestandspflege tabuisierter Räume. 

Theresa KnospThomas MoserJulia NulerSophie Stackmann (Hrsg.) 2026: Unvoiced Heritage. Queerfeminist Care for Tabooed Spaces. TU Wien Academic Press. 

Credits Podcast

Folge #44

Konzept und Moderation: Sophie Stackmann 

Aufnahme, Audio und Schnitt: Larissa Benk

ZUKUNFT STADT Podcast Produktion: Lukas Bast, Larissa Benk, Lisa-Marie Kramer, Lena Hohenkamp, Madlyn Miessgang und Nico Schleicher

Intro Musik: Jakob Kotal

Der Podcast ZUKUNFT STADT ist ein Projekt der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien. Produziert wird dieser in einer Kooperation des future.lab mit dem Forschungsbereich Örtliche Raumplanung der TU Wien.