#48 Lehmbau Morgen – Entwerfen als gemeinschaftlicher Prozess

Die Folge #48 des ZUKUNFT STADT Podcasts bildet den Abschluss der dreiteiligen Miniserie LEHMBAU MORGEN. Dabei sprechen Elisabetta Maria Schmidtlein und Jakobus Schwarz mit der Architektin Anna Heringer über Lehm als lokales Material und über die Potenziale des gemeinsamen Entwerfens und Bauens. 

Im Zentrum stehen dabei ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Baukulturen, die von ihr und Martin Rauch entwickelte Entwurfsmethode des Clay Stormings sowie die Frage, wie Handwerk, industrielle Prozesse und lokale Ressourcen miteinander verbunden werden können. Dabei wird Bauen nicht nur als technischer Prozess verstanden, sondern als Möglichkeit, Wissen weiterzugeben, Beziehungen aufzubauen und Menschen unmittelbar an der Gestaltung ihrer gebauten Umwelt zu beteiligen.

Für Anna Heringer ist Architektur ein Werkzeug, um Lebensbedingungen zu verbessern. Internationale Bekanntheit erlangte sie mit dem Bau der METI School in Bangladesch, die sie als Diplomarbeit an der Kunstuniversität Linz entwarf. Seitdem hat Heringer durch Bauten in Asien, Afrika und Europa sowie durch die Architekturlehre, unter anderem an der Universität Liechtenstein, der Harvard University, der ETH Zürich und der TU München, ihren mehrfach ausgezeichneten Architekturansatz weiterentwickelt und verbreitet. Ihr zentrales Anliegen ist dabei, Architektur als Katalysator für lokale Entwicklung einzusetzen, insbesondere durch die Verwendung natürlicher Baumaterialien wie Lehm, Bambus und Holz und die Einbeziehung der Nutzer*innen im Bauprozess.

Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Museen weltweit ausgestellt, darunter im MoMA New York, in der Cité de l’architecture Paris, im Museo ICO Madrid, im V&A Museum London und auf der Biennale in Venedig. Für ihre Arbeit erhielt sie unter anderem den Aga Khan Award for Architecture, den Global Award for Sustainable Architecture, den New European Bauhaus Preis 2021, den Philippe Rotthier European Prize for Architecture 2021, den Archdaily Building of the Year 2020 Preis und den OBEL Award 2020. Die UNESCO verlieh ihr einen Ehrenprofessortitel für „Earthen Architecture, Building Cultures and Sustainable Development“. 2022 wurde sie vom Bundespräsidenten Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Neben ihren Tätigkeiten als Architektin, Aktivistin und Lehrende ist Anna Heringer auch CEO von Dipdii Textiles, einer Frauenkooperative für faire Mode und Textilkunst, sowie Autorin und Mutter. Ihr Motto im kreativen Schaffen wie im Leben ist: Form follows Love.

Elisabetta Maria Schmidtlein ist Dozentin am Institut für Architekturentwurf der TU Wien und Doktorandin mit Schwerpunkt Lehmbau, Low-Tech-Architektur und ressourceneffizientem Bauen im mediterranen Raum. Als zertifizierte Lehmbaufachkraft verbindet sie Forschung und Praxis durch Restaurierungs- und Lehmbauprojekte in Österreich und Deutschland. In ihrem Dissertationsprojekt „From Soil to Structure“ erforscht sie die geologische Vielfalt von Lehmen in der Toskana.

 Jakobus Schwarz ist Architekt und Universitätsassistent an der TU Wien. Seit 2023 entwickelt er die "BMLUK Stiftungsprofessur Holzbau und Entwerfen im urbanen Raum" von Juri Troy mit. Nach Berufserfahrung in Deutschland, Luxemburg und Österreich forscht und lehrt er zu urbanem Holzbau, Aushublehm im mehrgeschossigen Holzbau und CO₂-Einsparpotenzialen im Wohnbau.

 

Credits Podcast
Folge #48

Konzept und Moderation: Elisabetta Maria Schmidtlein und Jakobus Schwarz
Aufnahme, Audio und Schnitt: Lisa-Marie Kramer, Elisabetta Maria Schmidtlein, Jakobus Schwarz

ZUKUNFT STADT Podcast Produktion: Lukas Bast, Larissa Benk, Lisa-Marie Kramer, Lena Hohenkamp, Madlyn Miessgang und Nico Schleicher

Intro Musik: Jakob Kotal

Der Podcast ZUKUNFT STADT ist ein Projekt der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien. Produziert wird dieser in einer Kooperation des future.lab mit dem Forschungsbereich Örtliche Raumplanung der TU Wien.