Transdisziplinäre Perspektiven auf Neues Soziales Wohnen

Die Auseinandersetzung mit dem gebauten Wohnbaubestand rückt zunehmend ins Zentrum der Wohnbauforschung und -praxis. Während der Neubau lange als primärer Träger wohnungspolitischer Strategien galt, wird der Bestand heute als entscheidende räumliche, materielle und soziale Ressource verstanden. Diese Verschiebung signalisiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel: Die Zukunft des Wohnens entscheidet sich wesentlich im Umgang mit dem Vorhandenen, wie lokale wie auch europäische Initiativen (Allianz für Substanz, House Europe! etc.) zeigen. Der Bestand ist nicht allein als bauliche Substanz, sondern als komplexes Gefüge aus materiellen, sozialen und organisatorischen Dimensionen zu begreifen – ein erweitertes Verständnis, das Gebäude, technische Infrastrukturen, Nutzungspraktiken, institutionelle Rahmenbedingungen und langfristige Entwicklungen umfasst. 

Die Perspektive auf den Bestand ist für den gemeinnützigen und kommunalen Wohnbau von besonderer Relevanz. Gemeinnützige Bauträger und Kommunen in Österreich und Wien bewirtschaften große Teile des Wohnbaubestands. Im Kontext der grünen Transformation, sich verschärfender sozialer Ungleichheiten und klimapolitischer Verpflichtungen stellen sich in diesem Zusammenhang zentrale Fragen: Wie lässt sich ein großer, gemeinnütziger oder kommunaler Wohnbaubestand wirtschaftlich tragfähig sanieren, während gleichzeitig leistbares Wohnen gesichert wird? Wie können Bewohner:innen an Entscheidungen beteiligt werden, die ihr Zuhause und ihre Wohnumgebung maßgeblich verändern? Der Begriff Neues Soziales Wohnen beinhaltet diese Herausforderung: Es geht darum, den Bestand als Instrument der Wohnbaupolitik, Sozialpolitik und Klimapolitik zugleich zu verstehen und zu gestalten. Das erfordert innovative Governance-Modelle, neue Finanzierungsansätze, eine verstärkte Orientierung an Bewohner:innenbedürfnissen und die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Politik, gemeinnützigen Akteuren und der Praxis. Diese Lehrveranstaltung widmet sich genau diesem Feld und trägt damit zu einer reflektierten, praxisnahen Auseinandersetzung rund um den Umbauprozess im Wohnbau bei.

Die Lehrveranstaltung ist interdisziplinär angelegt, Raumplanungs- und Architekturstudierende sowie Studierende aus anderen Disziplinen sind willkommen. Die Vorlesungsübung findet in deutscher Sprache statt und wird koordiniert vom Research Center for New Social Housing. 

Lehrende

  • Judith M. Lehner (Research Center for New Social Housing)
  • Nina Lobnig (Research Center for New Social Housing)
  • Gerald Kössl (GBV - Österreichischer Verband Gemeinnütziger Bauvereinigungen)

 

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